EMDR ist eine integrative psychotherapeutische Methode

Manche Therapeuten sind der Meinung, eine Behandlung mit EMDR, desensibilsiere die Klienten lediglich gegenüber traumatischem Material. Somit wäre EMDR nur eine Form von Expositionstherapie, wie sie in der Verhaltenstherapie zur Behandlung von Ängsten eingesetzt wird.

Es ist sicherlich richtig, dass die Klienten während der EMDR-Sitzungen, mit dem belastenden Material konfrontiert werden. Bei einer klassischen Expositionstherapie, soll jegliche Unterbrechung der Expositon vermieden werden. Während der EMDR-Sitzungen werden die Klienten jedoch aufgefordert zuzulassen was auch immer geschehen mag und die Exposition wird durch Nachfragen des Therapeuten systematisch unterbrochen. Dies widerspricht der Vorstellung einer reinen Expositionstherapie, bei der die Klienten angehalten werden, immer auf die Momente der stärksten Belastung zu fokussieren und dabei zu bleiben.

Durch die Arbeit mit EMDR, kommt vielmehr ein Fluss der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse in Gang, der es den Klienten ermöglicht, ihr Trauma als ein kohärentes Ereignis in der Vergangenheit zu verstehen. Dies ermöglicht ein Loslassen von den oft quälenden, unzusammenhängenden Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen unter denen traumatisierte Menschen so häufig leiden.

Vergleichsstudie EMDR und Fluoxetin

In einer Vergleichsstudie, die von B.A.van der Kolk, einem der führenden Traumaforscher, und anderen Wissenschaftlern durchgeführt wurde, wurde die Wirkung von EMDR, einer Standarddosis Fluoxetin* und eines Placebos verglichen.
*Fluoxetin ist ein gegen Depressionen eingesetztes Antidepressivum.

Von den 88 Teilnehmern der Studie mit PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörungen) erhielten 30 eine EMDR-Behandlung, 28 erhielten Fluoxetin und die restlichen 30 Teilnehmer erhielten ein Placebo, also eine Zuckerpille.

Wie häufig bei solchen Studien, erzielten auch die Probanden, die das Placebo erhalten hatten, erstaunlich gute Resultate. Ihre Besserung lag im Vergleich um 42% höher, als die anderer Behandlungsarten die als evidenzbasiert gelten.

Die Gruppe, die Fluoxetin erhalten hatte, erzielte etwas bessere Resultate, als die Gruppe die die Zuckerpillen erhalten hatte. Der Unterschied war jedoch sehr gering.

Die Gruppe die mit EMDR behandelt wurde, erzielte deutlich bessere Ergebnisse. Nach acht EMDR-Behandlungen hatten 25% der Probanden überhaupt keine PTBS-Symptome mehr; sie waren also geheilt. Wo hingegen bei der Fluoxetin-Gruppe nur 10% dieses Ergebnis erreichten.

Der wirklich bedeutende Unterschied, zeigte sich erst, als die Studienteilnehmer nach acht Monaten noch einmal befragt wurden. Es stellte sich heraus, dass 60% derjenigen die eine EMDR-Behandlung erhalten hatten völlig geheilt waren.

Wenn der Prozess der Intergration der traumatischen Erinnerungen erst einmal begonnen hat, setzt sich dieser häufig spontan von selbst fort. Im Gegensatz dazu erlitten alle Probanden die mit Fluoxetin behandelt wurden, nach Absetzen des Mittels einen Rückfall.

Trauma und Flashbacks

Menschen die einem überwältigenden Ereignis ausgesetzt waren, spalten häufig Ihre sensorischen Erinnerungsfragmente ab. Körperliche Empfindungen, Geräusche, Gerüche, Gedanken und Emotionen, die mit dem Trauma verbunden sind, können zu Flashbacks führen, solange das Trauma nicht aufgelöst ist. So lange das Trauma nicht verarbeitet wurde, bleiben die Stresshormone, die der Körper zu seinem Schutz ausschüttet aktiv. Verhaltensmuster und Reaktionen, der ursprünglichen traumatischen Situation, wiederholen sich ständig.

Vielen traumatisierten Menschen, ist nicht bewußt, warum sie oft auf den geringsten Reiz so heftig reagieren, als wären sie wieder der ursprünglichen traumatischen Situation ausgesetzt. Flashbacks von Traumata, sind in gewisser Weise schlimmer als das ursprüngliche Trauma selbst. Denn ein traumatisches Ereignis, hat einen Anfang und ein Ende. Es ist jedoch nie vorhersehbar wann Flashbacks auftreten und wielange sie andauern werden. Dies führt dazu, dass traumatisierte Menschen, ihr Leben möglichst so organisieren, dass sie Flashbacks vermeiden. Diese ständige, anstrengende Abwehr von unsichtbaren Bedrohungen, ist der Grund, warum traumatisierte Menschen, häufig am Rande der Erschöpfung sind und alle möglichen körperlichen und psychischen Symptome entwickeln.

Wenn sich die zersplitterten Erinnerungen an ein Trauma immer wieder bemerkbar machen, prägen sich diese Erinnerungen unter mitwirken der ausgeschütteten Stresshormone immer tiefer in das Gedächtnis ein. Dies kann dazu führen, dass das berufliche und private Leben von traumatisierten Menschen, unverhältnismäßig anstrengend wird. Die Flashbacks führen zu einer ungewollten Orientierung der Betroffenen auf die Vergangenheit und dadurch zu einem Gefühl, nicht mehr richtig, mit der Umwelt und dem Hier und Jetzt verbunden zu sein.

Die kumulative Wirkung posttraumatischer Symptome

Um auf Bedrohungen zu reagieren, kann eine Organismus angreifen und kämpfen, fliehen oder erstarren. Ist es nicht möglich zu kämpfen oder zu fliehen, kontrahiert der Organismus instinktiv und fällt – als letzte Möglichkeit – in Erstarrung. Während dieser Kontraktion, wird die, für den Angriff oder die Flucht, bereitgestellte Energie komprimiert und im Körper gebunden.

Bis diese Erstarrungsreaktion chronisch wird, vergehen oft Monate. Eigentlich gäbe es genug Zeit um potentiell traumatisierende Erlebnisse aufzulösen bevor sich posttraumatische Folgestörungen entwickeln und festsetzen.

Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, dass überhaupt etwas unternommen werden müsste. Jedes neue Durchlaufen des Erstarrens und Wiederauftauens der Erlebten Situation – etwa ausgelöst durch Trigger, die an die traumatische Situation erinnern – verstärkt die im Nervensystem gespeicherte Energiemenge. Es kommt ein spiralförmiger Prozess in Gang, der den Körper zwingt, immer mehr Symptome zu entwickeln, um diese bereitgestellte Energie unter Kontrolle zu bringen.

EMDR bei Zwangsstörungen

EMDR kann auch bei Zwangsstörungen in den Therapieplan integriert werden. Meiner Erfahrung nach, eignet sich EMDR bei Klienten mit Zwangsstörungen – bei vorsichtiger Anwendung – sehr gut, um diese mit Ihren Gefühlen und Emotionen in Kontakt zu bringen. Manchen Klienten ist es dann möglich, Einsichten über ursächliche Zusammenhänge ihrer Impulse, Gedanken oder Verhaltensweisen zu gewinnen.
Außerdem haben sicher nicht wenige Klienten mit Zwangsstörungen, Traumatisches erlebt, was möglicherweise großen Einfluss auf das Entstehen der Zwänge hatte.
Abschließend kann man sagen, dass EMDR bei Zwängen, hilfreich und unterstützend eingesetzt werden kann. Eine schnelle und spontane Symptomreduktion ist jedoch selten.